Organisation » Business Process Reengineering:
Die Methode des
Business Process Reengineering (BPR) zielt auf die
radikale Erneuerung und die Umorganisation von Unternehmen und ihrer
strategischen Ausrichtung. Sie wurde zuerst in den USA entwickelt und
praktiziert. Es handelt sich um einen Top-down-Ansatz (Top-down-
Planung) der Gestaltung von
Geschäftsprozessen gegenüber den japanischen bottom-up orientierten
Ansätzen (z.B. kontinuierlicher Verbesserungsprozess, KAIZEN,
betriebliches Vorschlagswesen).
Es ist keine eindeutige
Abgrenzung zwischen den beiden Begriffen "Business Process Engineering"
und "Business Engineering" erkennbar.
Tendenziell ist zu beobachten,
dass
Business Reengineering ebenso wie Reverse Engineering,
Reengineering eher verwendet werden, um radikale organisatorische Umbrüche
für die Fertigungsprozesse zu charakterisieren. Sie beziehen sich folglich
auf einen Ausschnitt aus der Gesamtheit der Geschäftsprozesse und stellen
überwiegend die ingenieurtechnische Problemstellung in den
Vordergrund.
In Abgrenzung dazu findet der Begriff eines Business
Process Reengineering immer dann Verwendung, wenn
-
sämtliche Geschäftsprozesse in allen Funktionsbereichen des
Unternehmens und auf allen Hierarchie-Ebenen untersucht werden;
- sowohl Tätigkeiten in den direkten Bereichen des
Unternehmens (z.B. Fertigung) als auch Tätigkeiten in den indirekten
Bereichen (z.B. Planung, Beschaffung)
und alle Führungstätigkeiten in die Analyse einbezogen werden
und
- dafür langwierige Lernprozesse von
Mitarbeitern und Führungskräften erforderlich sind.
Der angestrebte fundamentale Wandel des Business Process Reengineering
setzt voraus, dass Handlungsmuster, die bislang Gültigkeit hatten,
kritisch hinterfragt werden. Der Zweck jeder einzelnen Tätigkeit in einem
Unternehmen wird deutlich gemacht und infolgedessen auch die Art und
Weise, wie dieser Zweck erfüllt wird.
Gezielt werden Abläufe und
Strukturen aufgebrochen. Ausgehend vom Kundennutzen wird plangestützt von
oben (Top-down-
Planung) die neue
organisatorische Gestaltung des Unternehmens ermittelt. Es vollzieht sich
ein radikaler Wandel mit tief greifenden Veränderungen, weil vorhandene
Organisationsstrukturen nicht nur verbessert, sondern
abgelöst
werden. Es werden ein
Quantensprung der Leistungssteigerung
angestrebt, indem bei den Zielgrößen Kosten, Qualität und Service sowie
Zeit Verbesserungen in Größenordnungen umgesetzt werden.
In
diesem Sinne ist eine weitere Abgrenzung zum Business Process Redesign
erforderlich. Hiermit wird eine Verbesserung bestehender Strukturen und
Abläufe angestrebt (Reform), es wird keine tief greifende Veränderung im
Sinne von Zerstörung und Neugestaltung angestrebt (Umstrukturierung).
Mit folgenden Maßnahmen wird die organisatorische Neugestaltung im
Business Process Reengineering umgesetzt:
- Auflösung der
Fachabteilungen des Unternehmens zu Gunsten von Prozessteams;
- Abflachung hierarchischer Organisationsstrukturen;
- Zusammenführung bisher geteilter einfacher, spezialisierter und
fragmentierter Arbeiten zu einer multifunktionalen Arbeitsaufgabe;
- Orientierung des Mitarbeiterverhaltens an den Erwartungen der
Kunden und nicht an denen des Vorgesetzten;
- Übergang
von der Kontrolle der Regelbefolgung zu selbst organisierter und
kontrollierbarer Arbeit;
- Orientierung des
Entlohnungssystems an der Leistung und dem Beitrag für die
Wertschöpfung;
- Beförderung nach Fähigkeiten nicht nach
Leistung; Prozessgestaltung und Mitarbeitermotivation sowie die Vermittlung
von Wertvorstellungen und Überzeugungen als Aufgabe jeder Führungskraft.
Oftmals werden Vorhaben des Business Process Reengineering
begonnen und nicht abgeschlossen oder führen nicht zu den erwarteten hohen
Leistungssteigerungen. Für den erfolgreichen Abschluss entsprechender
Vorhaben müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein:
Es muss
ein Zusammenhang zwischen den reorganisierten Geschäftsprozessen und der
Effizienz des Unternehmens bestehen.
-
Wettbewerbsvorteile lassen sich nur erschließen, wenn der Leistung des
Unternehmens und seinem Geschäftsprozess Einmaligkeit und
Seltenheit zukommt. Dies lässt sich nicht durch die Verwendung
standardisierter Lösungen im Business Process Reengineering erreichen.
- Die reorganisierten Geschäftsprozesse dürfen nicht
substituierbar, z.B. durch ein Outsourcing, oder durch andere
Problemlösungen (z.B. Einsatz von Informationstechnologien) ersetzbar
sein.
- Der reorganisierte Geschäftsprozess muss durch Einüben und
Lernprozesse zu einem Bestandteil der Unternehmenskultur werden. Für diese
Prozesse ist ein längere Zeitdauer einzuplanen, jedoch ist er damit nicht
imitierbar und bleibt für das Unternehmen ein einzigartiger
Wettbewerbsvorteil.