Unternehmensführungs-Lexikon
| Rubrik: | Rechnungswesen | Marketing | Organisation | Controlling |
Suche
|
Rechnungswesen » Controlling:
1. Begriff und Funktion des Controlling
Die aus dem angelsächsischen Raum stammende Bezeichnung "to control" ist mit Begriffen wie "steuern", "regeln", "beeinflussen", aber auch mit "unter Kontrolle halten" übersetzbar und bedeutet vereinfachend, eine Sache im Griff zu haben. Auf Grund der Ähnlichkeit mit dem deutschen Wort "Kontrolle" wird Controlling häufig gleichgesetzt mit Kontrolle oder Revision.Grundsätzlich handelt es sich beim Controlling um Führungsaufgaben des Top-Managements. Allerdings kann die Unternehmensleitung auf Grund der Komplexität ihrer Aufgabenstellungen ihre Aufgaben heute im Allgemeinen nicht mehr allein erfüllen und delegiert daher unter anderem wesentliche Teile der Überwachungsfunktion an die Interne Revision und das Controlling.
Trotz der vielen in Literatur und Praxis vorzufindenden Versuche, Controlling über entsprechende Aufgaben- und Funktionskataloge zu beschreiben, ist es bislang nicht zu einer einheitlichen Begriffsdefinition gekommen. Das bietet den einzelnen Unternehmen zwar die Möglichkeit, Controlling individuell zu gestalten und weiterzuentwickeln, verhindert jedoch oftmals ein systematisches Vorgehen bei der Einführung von Controlling (Einführung des Controlling). Hier soll Controlling daher durch Festlegung von typischen Aufgabenstellungen wie folgt begrenzt werden:
Controlling ist die Bereitstellung von Methoden und Informationen für arbeitsteilig ablaufende Planungs- und Kontrollprozesse sowie die funktionsübergreifende Unterstützung und Koordination solcher Prozesse
Träger dieser Aufgaben ist der Controller. In Klein- und Mittelbetrieben und/oder bei geringem Aufgabenumfang kann auch der Unternehmer selbst oder einer seiner leitenden Angestellten neben anderen Aufgaben auch die Controllingfunktion wahrnimmt. Im Regelfall sollte Controlling jedoch institutionalisiert (Controlling - Organisation) sein, damit die Mitarbeiter des Controllingbereiches die ihnen übertragenen Aufgaben mit fachlichem Know-how auf unabhängige und neutrale Art und Weise erfüllen können.
2. Geschichtliche Entwicklung
Anders als vielfach vermutet, handelt es sich beim Controlling um keine sehr neue Entwicklung. Bereits im 15. Jahrhundert entstand beispielsweise am englischen Königshof eine Position mit der Bezeichnung "Countrollour", deren Aufgabe darin bestand, die Aufzeichnungen über zu- und abfließende Geld- und Güterströme zu überprüfen.Die Entwicklung des modernen Controlling wurde seit Ende des 19. Jahrhunderts insbesondere durch die industrielle Entwicklung in den USA diktiert. Der erste in der Literatur erwähnte Controller in einer Unternehmung war 1880 bei der Firma "Atchison, Topeka and Santa Fe Railroad Company" beschäftigt. 1882 hat die "General Electric Company" als Erstes großes Industrieunternehmen die Stelle eines Controllers eingerichtet. Trotzdem blieb das Controlling in den Unternehmen bis in die 20er Jahre weit gehend unbekannt.
Das Entstehen des Controlling wird in der Literatur vorwiegend mit dem industriellen Wachstum in den USA Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts begründet, welches komplexere Planungssysteme und -techniken erforderlich machte. Verstärkt wurde diese Entwicklung durch die höheren Anforderungen, die nicht zuletzt auch von staatlicher Seite an das Rechnungswesen gestellt wurden. Als Konsequenz dieser Entwicklung wurden spezifische Aufgaben des Treasurer und des Secretary einem Controller mit einer eigens dafür eingerichteten organisatorischen Einheit übertragen.
Maßgeblich beeinflusst wurde die weitere Entwicklung durch das im Jahre 1931 unter dem besonderen Einfluss der Weltwirtschaftskrise gegründete "Controllers Institute of America", das 1962 in "Financial Executive Institute" (FEI) unbenannt wurde. Dieses Institut trug wesentlich zur Weiterentwicklung des Controlling bei, wobei insbesondere die Systematisierungsansätze im Hinblick auf die Controllingaufgaben zu erwähnen sind.

In den deutschsprachigen Raum wurde der Controllinggedanke vor allem durch Tochtergesellschaften amerikanischer Unternehmen übertragen. Die Entwicklung wurde - vor allem bedingt durch eine missverstandene oder ungenaue Interpretation des Controlling - in den Ersten Jahren zunächst kritisch beurteilt. Insbesondere die Gleichsetzung von Controlling mit Kontrolle und die eventuell eingeräumte Machtfülle des Controllers wurden als mögliche Gefahr für die Unternehmensführung überbetont. Inzwischen ist das Controllingkonzept jedoch auf deutsche Verhältnisse übertragen und wird überwiegend positiv beurteilt.
3. Formen des Controlling
Im Allgemeinen wird je nach Reichweite von Entscheidungen und Maßnahmen zwischen operativem und strategischem Controlling unterschieden:- Das operative Controlling bezieht sich
auf kurz- und mittelfristiges Handeln, das heißt auf einen Zeitraum von in
der Regel ein bis zwei Jahren. Es ist vor allem auf die Gewinnerzielung
ausgerichtet, die sich mit verschiedenen Berechnungsverfahren ermitteln
und quantitativ erfassen lässt. Die übergeordneten Ziele (zum Beispiel Produktpalette, zu
erreichende Marktanteile) liegen fest. Hier sollen Teilziele erreicht
werden.
- Das strategische Controlling hat die
längerfristige Ausrichtung des Unternehmens zum Gegenstand. Es
berücksichtigt dabei auch wirtschaftliche und gesellschaftliche
Entwicklungen außerhalb des Unternehmens und bezieht sich demzufolge auch
auf Zusammenhänge, die sich nicht zahlenmäßig ausdrücken lassen und die
sich noch nicht in den Zahlen des Unternehmens niederschlagen.
4. Kernelemente des Controlling
In der betrieblichen Praxis ist das Controlling untrennbar mit Planung und Kontrolle verbunden. Ein Controller wird immer darauf drängen,- dass die Unternehmensziele (Ziele, Zielsystem) explizit und messbar
formuliert vorliegen,
- dass für alle Bereiche im
Unternehmen anhand der angestrebten Ziele Handlungsalternativen
entwickelt und ausgewählt werden,
- dass man im laufenden
Betrieb überwacht, ob die Planungsdaten auch erreicht werden und
- dass im Falle von Abweichungen (Abweichungsanalyse)
Maßnahmen ergriffen werden, um entweder die Planwerte durchzusetzen oder
zu realistischen Planwerten zu kommen.
In der betrieblichen Praxis übernimmt der Controller überwiegend die gesamte Entscheidungsvorbereitung für bestimmte Maßnahmen (beispielsweise Investitionsvorhaben) und ist für die korrekte Durchführung der getroffenen Entscheidung verantwortlich.
Eine in der Praxis ebenfalls häufig anzutreffende Aufgabenzuweisung erhält man durch Trennung der gesamten Planungs- und Kontrolltätigkeit in Inhalte und Verfahren: Hierbei legen dann die Linienverantwortlichen die Ziele und Inhalte der Planung sowie die Maßnahmen bei eventuellen Plan-Ist-Abweichungen fest, und der Controller übernimmt das Management der Planung und Kontrolle.
Schließlich kann die Planungs- und Kontrollorientierung auch bedeuten, dass lediglich die Verantwortung dafür übernommen wird, dass systematisch geplant und kontrolliert wird. Dann verbleibt die Planungs- und Kontrollkompetenz beim Linienmanagement, und die Planungs- und Kontrollverantwortung wird quasi zwischen Controlling und Linienmanagern geteilt. Diese Variante wird umso realistischer, je stärker die Dezentralisierung des Unternehmens voranschreitet und je mehr die Führungskräfte Wert auf eigene Verantwortlichkeit der Mitarbeiter und umfassende, nicht atomistisch spezialisierte Aufgaben legen.
5. Konsensorientierung
Allein die Tatsache, dass überhaupt geplant wird, sagt noch nichts über die Qualität der Planung und Kontrolle aus. Der Controller hat daher sicherzustellen, dass die erarbeiteten Pläne nach Abwägen aller Alternativen und unter Einbeziehung des gesamten Planungs-Know-hows quasi das Optimum für das Unternehmen darstellen. Das Controlling soll verhindern,- dass einzelne Unternehmensbereiche mit
unterschiedlichen Kompetenzen in den Planungsprozess einbezogen
werden,
- dass im Planungsprozess von persönlicher Macht
Gebrauch gemacht wird,
- dass Planungsbeiträge
unterdrückt werden,
- dass Planungsinformationen bewusst
zurückgehalten werden,
- dass sich einzelne
Unternehmensbereiche opportunistisch verhalten.
- genügend Zeit für die Planungstätigkeiten vorgesehen
wird,
- dass ein nachvollziehbarer Weg für die
Aggregation von Teilplänen zur Unternehmensgesamtplanung eingerichtet
wird,
- dass die Vorgaben des Managements (Top-down-Planung) mit den "von unten"
ermittelten Plänen (Bottom-up-Planung) abgeglichen werden
usw.
Darüber hinaus ist es erforderlich, dass der Controller den gesamten Planungsprozess aktiv begleitet und darauf achtet, dass bei Interessenskonflikten niemand übervorteilt wird.
6. Abgrenzung zu anderen Funktionsbereichen
Bei der Festlegung der Controllingaufgaben (Einführung des Controlling) können Aufgaben des Rechnungswesens unterschiedlich zugeordnet werden. Anders als in Deutschland werden dem Controller im amerikanischen Controlling beispielsweise auch Aufgaben des externen Rechnungswesens (z. B. mithilfe bei der Erstellung des Jahresabschlusses) übertragen.Hinsichtlich der Abgrenzung von der strategischen Planung und Kontrolle finden sich in Literatur und Praxis zahlreiche Interpretationsansätze. Danach können strategische Controllingaufgaben (Strategisches Controlling) sowohl vom Controlling als auch von einer Abteilung Unternehmensplanung oder auch von einer anderen Abteilung wahrgenommen werden.
Vor allem im amerikanischen Raum werden Aufgaben der Internen Revision teilweise als Bestandteil des Controlling interpretiert. In Deutschland hat sich die Einbeziehung der Revision in das Controlling jedoch nicht durchgesetzt.
7. Instrumente des Controlling
Zur Erfüllung der Controllingaufgaben haben die Betriebswirtschaft und das Controlling eine Fülle von Systemen und Verfahren entwickelt, mit denen diese Aufgaben erfüllt werden können. Das wichtigste Integrations- und Koordinationsinstrument ist dabei das Planungs- und Kontrollsystem mit integrierter ergebnis- und liquiditätsorientierter Planungs- und Kontrollrechnung. Dies wiederum erfordert ein entsprechend ausgebautes System des Rechnungs- und Finanzwesens.
8. Organisation des Controlling
Aus dem Aspekt der Führungsergänzung als zentraler Aufgabe des Controlling folgt unmittelbar, dass eine optimale Controlling-Organisation den Notwendigkeiten dieser Unterstützungsaufgabe anzupassen ist (Controlling). In der betrieblichen Praxis findet man jedoch zahlreiche organisatorische Realisierungsvarianten, sodass hier kein Patentrezept zur Einbindung des Controlling in die Unternehmenshierarchie gegeben werden kann. Allerdings lassen sich folgende Grundregeln aufstellen:- Mit wachsendem
Innovationsbedarf steigt die Notwendigkeit, das Controlling an einer
möglichst hohen Stelle der Unternehmenshierarchie anzusiedeln.
- Eine zunehmende Unternehmensgröße führt auch im
Controllingbereich zu steigender Arbeitsteilung.
- Die
Art der Ausübung der Controllingaufgabe hängt wesentlich von den im
Unternehmen praktizierten Führungsgrundsätzen ab.
Häufiger anzutreffen ist dagegen ein auf bestimmte Funktionsbereiche spezialisiertes Controlling, wie zum Beispiel
- Marketing-Controlling
- Vertriebs-Controlling
- Beschaffungs-Controlling
- Logistik-Controlling
- Personal-Controlling
- Investitionscontrolling
- Finanzcontrolling
- Kostencontrolling
- Produktionscontrolling
- Projekt-Controlling
- EDV-Controlling
- Beteiligungscontrolling
- FuE-Controlling
- Materialcontrolling uvm.
Suche



