Steuer-Lexikon

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Steuerschuldner - Bauleistungen: « Vorheriges Thema (Steuerschuldner)Nächstes Thema » (Steuerschuldner - Bauleistungen - ABC)

1. Allgemeines

Unter die Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers fallen Werklieferungen und sonstige Leistungen eines inländischen Unternehmers, die der Herstellung, Instandsetzung, Instandhaltung, Änderung oder Beseitigung von Bauwerken dienen (§ 13b Abs. 2 Nr. 4 UStG).

Der Leistungsempfänger einer Bauleistung wird nur dann zum Steuerschuldner, wenn er Unternehmer ist und selbst, d.h. im eigenen Namen, nachhaltig Bauleistungen im Sinne des § 13b Abs. 2 Nr. 4 UStG erbringt (R 182a Abs. 10 UStR).

Aus Vereinfachungsgründen kann von einem nachhaltigen Erbringen ausgegangen werden, wenn

Für die Fälle, in denen es sich beim leistenden Unternehmer um einen ausländischen Unternehmer handelt, der im Inland weder Wohnsitz noch Sitz, Geschäftsleitung oder eine Betriebsstätte hat, ist § 13b Abs. 2 Nr. 1 UStG anzuwenden. Die Rechtsfolgen sind die gleichen.

Zu beachten ist, dass die Leistungen an Grundstücken im Inland erbracht werden müssen (Ort der Leistung), da nur im Inland steuerbare Umsätze von § 13b UStG erfasst werden.

Eine Klärung der Frage, ob die Lieferung eines Einrichtungsgegenstandes, der vom liefernden Unternehmer aufgebaut und/oder fest mit einem Gebäude verbunden wird, eine Bauleistung i.S.d. § 13b Abs. 2 Nr. 4 Satz 1 UStG darstellt, kann weitgehend nur durch Prüfung des Einzelfalls stattfinden. Keine Bauleistung liegt regelmäßig vor, wenn der gelieferte Gegenstand ohne größeren Aufwand mit dem Bauwerk verbunden oder vom Bauwerk getrennt werden kann.

2. Definition der Bauleistungen

Der Begriff des Bauwerks umfasst nicht nur Gebäude im eigentlichen Sinne, sondern auch alle mit dem Erdboden verbundenen oder aufgrund eigener Schwere auf ihm ruhenden Anlagen, wenn sie aus Baustoffen oder Bauteilen hergestellt worden sind (z.B. Brücken, Straßen oder Tunnel).

Positivabgrenzung
Zu den Bauleistungen im Sinne des § 13b Abs. 2 Nr. 4 UStG zählen insbesondere auch:

Die Leistung muss sich unmittelbar auf die Substanz des Bauwerks beziehen, d.h. es muss eine Substanzerweiterung, Substanzverbesserung, Substanzbeseitigung oder Substanzerhaltung bewirkt werden. Auch Erhaltungsaufwendungen im einkommensteuerlichen Sinn(z.B. Reparaturleistungen) zählen hierzu.

Künstlerische Leistungen an Gebäuden fallen ebenfalls unter § 13b UStG, wenn sie sich unmittelbar auf die Substanz auswirken. Werden nur Ideen oder Planungen zur Verfügung gestellt, handelt es sich nicht um Bauleistungen (R 182a Abs. 7 Nr. 9 UStR).

Praxistipp:
Als Vereinfachungsregelung wird zugelassen, dass Reparatur- und Wartungsarbeiten (Erhaltungsaufwendungen) an Bauwerken oder Teilen von Bauwerken dann nicht unter § 13b UStG fallen, wenn das Nettoentgelt für den einzelnen Umsatz nicht mehr als 500 EUR beträgt. Diese Regelung ist zwingend anzuwenden.


Negativabgrenzung
Keine Bauleistung im Sinne des § 13b Abs. 2 Nr. 4 UStG liegt vor, wenn die Leistung sich nicht unmittelbar auf die Substanz des Bauwerks bezieht, also hiermit weder eine Substanzerweiterung, Substanzverbesserung, Substanzbeseitigung oder Substanzerhaltung bewirkt wird.

Nicht unter § 13b UStG fallen danach insbesondere die folgenden Leistungen:

Eine Liste von Abgrenzungen enthält das Stichwort Steuerschuldner - Bauleistungen - ABC.

3. Rechtsfolgen

Sofern die Voraussetzungen des § 13b UStG vorliegen, geht die Steuerschuld für die entsprechenden Umsätze auf den Leistungsempfänger über. In den Rechnungen ist auf die Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers hinzuweisen (§ 14a Abs. 5 Satz 2 UStG). Ein gesonderter Steuerausweis ist nicht zulässig (§ 14a Abs. 5 Satz 3 UStG). Weist der leistende Unternehmer die Steuer gleichwohl aus, schuldet er sie nach § 14c Abs. 1 UStG.


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